An der bundesweiten Bildungsstreikkonferenz in Berlin (9.-11.09.) haben sich über 80 SchülerInnen, Studierende und Auszubildende aus ganz Deutschland beteiligt. Neben zahlreichen Jugendorganisationen waren VertreterInnen von LandesschülerInnenvertretungen, Allgemeinen Studierenden Ausschüssen und der Gewerkschaft anwesend.

 

Bleistift Faust Bildungsstreik

Anknüpfend an die Konferenzen in Köln und Gießen wurde zu einem bundesweiten Bildungsstreik für Solidarität und freie Bildung am und um den 17.11. aufgerufen. Für die Proteste im Herbst wird es eine koordinierte Pressearbeit, sowie bundesweites Material geben.

Bildungskrise verschärft sich

Trotz einiger Differenzen war allen Anwesenden klar, dass es wieder höchste Zeit wird für unser Recht auf Bildung auf die Straße zu gehen. Mit den doppelten Abiturjahrgängen und dem Aussetzen der Wehrpflicht drängen nun immer Jugendliche auf zu wenig Ausbildungs- und Studienplätze, zeitgleich verschärft die Bundeswehr ihre Kriegspropaganda an den Schulen.

In elf von sechzehn Bundesländern ist das Schulsystem mittlerweile de facto zweigliedrig, in den übrigen fünf ist die Tendenz dahin klar. Dabei ist die Zusammenlegung der Haupt- und Realschulen lediglich eine Sparmaßnahme die dem sinkenden Bedarf an niedrigqualifizierten Arbeitskräften entspricht und gleichzeitig zeigt, dass immer mehr Eltern die Hauptschule zu Recht als Abstellgleis wahrnehmen. Das gleichzeitige Fortbestehen des Gymnasiums zementiert dabei das mehrgliedrige Schulsystem und ist keinesfalls ein Schritt in Richtung der einen Schule für alle.
Auch die weit reichenden Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf unsere Bildung wurden auf der Konferenz immer wieder thematisiert. Dabei wurde deutlich: Bildung wird immer teurer, mehr und mehr Perspektivlosigkeit macht sich breit. Bei der Masse der Jugendlichen verfestigen sich Zukunftsängste und das Bewusstsein, ohne guten Bildungsabschluss keine berufliche Perspektive zu haben. Das wird von den Herrschenden selbst festgestellt. So heißt es in der Shell Jugendstudie von 2010: „Auch weiterhin bleibt der Schulabschluss der Schlüssel zum Erfolg. In Deutschland hängt er so stark wie in keinem anderen Land von der jeweiligen sozialen Herkunft der Jugendlichen ab. Junge Leute ohne Schulabschluss finden seltener eine qualifizierte Arbeit oder eine Ausbildung. Entsprechend pessimistisch blicken Jugendliche, die sich unsicher sind, ihren Schulabschluss zu erreichen, auch in die Zukunft. Bei den Jugendlichen aus sozial schwierigen Verhältnissen sind sich nur 41 Prozent sicher, dass sich ihre Berufswünsche erfüllen.“
Von den Milliarden-Rettungsschirmen zur Bewältigung der Euro-Krise profitieren die Banken und Konzerne. Für ihre Krise sollen mal wieder wir zahlen. Weitere Sparmaßnahmen der Regierung, auch im Bildungsbereich, sollen folgen.

Vom Protest zum Widerstand

Wenn wir uns nicht solidarisch mit allen Betroffenen gegen diesen Generalangriff wehren ist zu erwarten, dass unsere Bildung weggespart wird, unser Lebensstandard weiter sinkt und Zukunftsperspektiven immer mehr Mangelware werden.

Damit die allgemeine Empörung auch in realen Widerstand umschlägt ist noch einiges zu tun. Auf der Konferenz in Berlin wurde dafür aber eine gute Grundlage gelegt. Lasst uns am 17.11. gemeinsam auf die Straße gehen um gegen die Sparpolitik der Regierung und unser Recht auf Bildung zu demonstrieren!

Wir dokumentieren an dieser Stelle den Aufruf zum Bildungsstreik für Solidarität und freie Bildung wie er auf der bundesweiten Bildungsstreikkonferenz in Berlin (9.-11.09.2011) verabschiedet wurde.

Aufruf zum Bildungsstreik für Solidarität und freie Bildung

Wir, die UnterzeichnerInnen dieses Papiers rufen alle SchülerInnen, Studierenden, Auszubildenden, LehrerInnen, Dozierende und alle die sich für Bildung einsetzen wollen, zum Bildungsstreik für Solidarität und freie Bildung auf. Am und um den 17.11.2011 sollen Demos, Proteste, Besetzungen und andere Aktionen stattfinden. Wir wollen damit die Bildungspolitik verändern, Menschen politisieren und Selbstorganisation stärken. Wir stellen uns dabei in den Zusammenhang mit den Jugend- und Sozialprotesten weltweit, sowie den „Global Weeks of Action“ vom 07. bis 20.11.

Unter anderem fordern wir:
Abschaffung aller Bildungsgebühren – Kostenfreie Bildung für alle
Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne
Weg mit dem mehrgliedrigen Schulsystem – Eine Schule für alle
Studien- und Ausbildungsplätze für alle
Alle Zulassungs- und Zugangsbeschränkungen, auch für Masterstudiengänge, abschaffen
Die Übernahme nach der Ausbildung
Eine gesetzliche Umlagefinanzierung – Wer nicht ausbildet muss zahlen
Kleinere Klassen und Kurse mit max. 20 SchülerInnen – mehr LehrerInnen in allen Bildungseinrichtungen
Weg mit dem Turbo-Abitur (G8)
Kostenlose Mahlzeiten und kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs an allen und für alle Schulen, KiTas und Hochschulen
Demokratie statt Repression – Demokratisierung aller Bildungseinrichtungen und Lebensbereiche
Gegen die Militarisierung von Bildungseinrichtungen – Für die Zivilklausel, Kooperationsvereinbarungen kippen…

Wir wollen diese sowie die regionalen Forderungen solidarisch vertreten und für ihre Umsetzung kämpfen. Dazu wollen wir uns vor Ort organisieren und rufen alle Menschen dazu auf, Bündnisse zu bilden. Diesen Bündnissen schlagen wir vor am und um den 17.11. öffentlichkeitswirksame Aktionen zu organisieren: Seien es Flashmobs, Demos, Besetzungen oder Streiks. Auch unsere inhaltliche Bildung wollen wir vorantreiben und uns in Diskussionen und auf Veranstaltungen mit den verschiedenen Themen auseinandersetzen.

Für eine breite Bildungsbewegung!

Verabschiedet auf der bundesweiten Bildungsstreikkonferenz in Berlin (9.-11.09.2011)

Bleistift Faust Bildungsstreik

Am kommenden Donnerstag, den 10.November 2011 !Bildungsstreiktreffen! ab 18.30 uhr im Gebäude der KSJ Trier in der Weberbach 72!

Nähere Infos unter: http://bildungsstreiktrier.blogsport.de/

Stellungnahme zum Rahmenabkommen des Landes Rheinland-Pfalz mit der Bundeswehr
Am 25. Februar hat das rheinland-pfälzische Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur ein Rahmenabkommen über den Einsatz von Jugendoffizieren der Bundeswehr in den Schulen des Landes abgeschlossen. Es folgt damit dem Beispiel anderer Bundesländer wie Baden-Württemberg und will nach eigenen Angaben die „bereits seit Jahren enge Zusammenarbeit“ mit der Bundeswehr ausbauen.
Die SDAJ Trier wendet sich entschieden dagegen, die Bundeswehr jetzt auch noch ganz offiziell zum Partner des Kultusministeriums bei der Bildung Jugendlicher in Rheinland-Pfalz zu machen.
Die Bundeswehr versucht in den letzten Jahren verstärkt durch groß angelegte Werbefeldzüge Jugendliche ohne Perspektiven für eine Verpflichtung bei der Truppe und somit für ihre Kriegseinsätze zu ködern. So will sie von Krise und Ausbildungsmangel profitieren. Mit dem Rahmenabkommen wird die Bundeswehrpropaganda nun in den Rang fester Unterrichtsinhalte erhoben. Was genau die Jugendoffiziere vermitteln sollen, wird vom Kultusministerium so umschrieben: „Vor dem Hintergrund einer multipolaren und globalisierten Welt sollen sie einen Beitrag leisten, sicherheitspolitische Aufklärung und Information zu ermöglichen, um damit den Blick auf Chancen und Risiken unserer Sicherheit und die Grundfeste unserer Freiheit zu schärfen.“ In wessen Sinn und zu welchem Zweck der Jugendoffizier die SchülerInnen über sicherheitspolitische Probleme aufklärt, wird deutlich, wenn man einen Blick in das 2006 erschienen Weißbuch der Bundeswehr wirft. Dort wird neben „Störungen der Rohstoff- und Warenströme“ auch „unkontrollierte Migration als Folge von Flüchtlingsbewegungen“ als Bedrohung der bundesdeutschen Sicherheit und Fall für die Bundeswehr ausgemacht. Ferner stellt das Weißuch fest: „Sicherheitspolitik muss auch auf geografisch entfernte Regionen zielen. […] Hierbei gilt es wegen der Export- und Rohstoffabhängigkeit Deutschlands, sich insbesondere den Regionen, in denen kritische Rohstoffe und Energieträger gefördert werden, zuzuwenden.“
Die Notwendigkeit von Krieg im Interesse des großen Kapitals, das ist also die sicherheitspolitische Aufklärung, die die Bundeswehr mit dem Segen des Landes von nun an in rheinland-pfälzischen Klassenzimmern leisten darf. Aber auch in Sachen „Demokratieerziehung“ befindet das Bundesland die Bundeswehr für einen unverzichtbaren Partner. Denn Demokratie wird ja bekanntlich in der Truppe der Saufrituale betreibenden Schweineleberverköstiger ganz groß geschrieben.
Wir sagen: Bundeswehr raus aus unseren Schulen!

Bereits im Juni diesen Jahres stand für 270.000 SchülerInnen fest: dieses Bildungssystem können wir uns nicht mehr leisten. Seit Jahren werden unsere Schulen kaputt gespart, während PolitikerInnen von der Bildungsrepublik schwafeln. Wir werden immer noch nach der vierten Klasse auf die verschiedenen Schultypen aufgeteilt, obwohl die BRD dafür sogar von der UNO kritisiert wurde. Und immer noch haben Kinder aus armen Familien in diesem Bildungssystem das Nachsehen. Wer arm ist hat kaum eine Chance auf einen höheren Schulabschluss.

Bildungspolitiker aller Parteien haben uns im Wahlkampf Besserung versprochen. Die neue Bundesregierung setzt aber wie die Vorgängerregierungen auf Elitebildung, Begabtenförderung und Selektion auf der einen Seite und Sparmaßnahmen gepaart mit leeren Versprechen auf der anderen Seite. Ihre Maßnahmen zielen allesamt darauf ab, SchülerInnen aus reichen und gebildeten Familien mit kleinen Zuwendungen zu fördern. Stipendien sollen ausschließlich nach Begabung vergeben werden, die Hälfte des Geldes soll von der Wirtschaft kommen. Das bedeutet, dass die heutigen Verlierer dieses Systems kein Geld mehr bekommen sollen, wenn sie sich nicht als besonders begabt hervortun. Wer aber nicht das Glück hat, das Kind reicher Eltern zu sein, den trifft der Sparkurs mit voller Breitseite. SchülerInnen aus Arbeiterfamilien haben nicht das Geld, den wachsenden Druck und das immer schlechtere Lehrangebot mit teurem Nachhilfeunterricht auszugleichen.

Das ist also die Antwort auf unsere Proteste, die nun im dritten Bildungsstreik innerhalb eines Jahres gipfeln sollen. Aber damit werden wir uns nicht zufrieden geben. Am 17. November und in den Tagen danach werden wir auf der Straße deutlich machen, dass wir für unsere Bildung kämpfen. Wir brauchen mindestens 20.000 zusätzliche Lehrerstellen jedes Jahr, wir wollen endlich eine Schule für alle, damit wir nicht mehr nach unserer Herkunft aussortiert werden. Wir wollen nicht für die Interessen der Konzerne ausgebildet werden, wir brauchen keine Kopfnoten und andere Mittel, die uns im Konkurrenzkampf gefügig machen sollen. Wenn sie von zentralen Prüfungen reden, um uns besser vergleichen zu können, wollen sie den Druck auf uns noch weiter erhöhen. All das nehmen wir nicht mehr hin. Deshalb wehren wir uns und damit sind wir nicht allein. Was mit der Unibesetzung in Wien anfing hat inzwischen zahlreiche Nachahmer gefunden. Auch wir werden nach diesem Streik nicht aufhören für unsere Rechte zu kämpfen. Auf der Straße, aber auch in den Schülervertretungen kämpfen wir gegen eine Bildungspolitik, die uns die Zukunft verbaut, die uns nach den Interessen der Wirtschaft sortiert und uns zu Duckmäusern erziehen will.

Eine Schule für alle!

20.000 neue Lehrer jedes Jahr!

Weg mit Turboabi, zentralen Prüfungen und Vergleichsarbeiten!

Verbot von Bücher- und Kopiergeld, kostenlose Bildung für alle!

Presseerklärung des SDAJ Bundesvorstandes
Essen, 10.11.2009

bildungsstreik austria

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Genossinnen und Genossen,

die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend begrüßt den Ausbruch des Protestes an den österreichischen Hochschulen und wünscht den Studierenden viel Kraft und Durchhaltevermögen für eure Kämpfe.

Auch wenn es natürlich Unterschiede in der Situation vor Ort gibt, ist unser Bildungssystem den gleichen Tendenzen des Bolognaprozesses unterworfen. Die europäischen Imperialisten
fordern einen europäischen Arbeitsmarkt und diesen Forderungen soll sich die lernende und arbeitende Jugend in Europa unterwerfen.

Die Vereinheitlichung der Universitäten und ihre Unterordnung unter wirtschaftliche Interessen dienen der schnelleren und besseren Verwertung der Studierenden als Arbeitskräfte
und dem Vorantreiben der Wissenschaften allein im Interesse der Profitlogik der Großkonzerne.

Die Studierenden wollen aber selber entscheiden was und wie sie lernen. Dieses Recht, das Recht die Welt zu erkennen, wollen sie sich nicht streitig machen lassen und dafür haben sie unsere volle Solidarität.

Auch in Deutschland haben Bildungsproteste an Relevanz zugenommen, und die Themen sind ganz ähnlich. Am 17. November geht der bundesweite Bildungsstreik in die dritte Runde
und wir werden den SchülerInnen, Studierenden und Auszubildenden von den Kämpfen in Österreich erzählen und es wird zur Motivation und Festigung der noch frischen Bewegung
beitragen. Dafür ein Danke.

Wir wünschen euch viel Erfolg für den Kampf und freuen uns darauf, zu hören, dass den österreichischen Studierenden das gelungen ist, was den deutschen nicht gelang; nämlich die
Studiengebühren zu verhindern.

Für das Recht auf freie Bildung!
Weg mit dem Bachelor-Master-System!
Studiengebühren verbieten!
Hoch die internationale Solidarität!

Am 17. Juni demonstrierten über 250.000 SchülerInnen und Studierende beim bundesweiten Bildungsstreik gegen die Zustände im Bildungssystem. Mit Forderungen nach Abschaffung von G8, Kopfnoten, der sozialen Auslese, und der Einführung von mehr Demokratie, kostenloser Bildung, kleineren Klassen und weniger Prüfungsdruck gingen sie auf die Straße. Nach dem ersten Bildungsstreik im November 2008 haben wir, Jugendliche aus Schulen, Hochschulen und Betrieben gezeigt, dass wir Druck gegen die Bildungskiller in den Regierungen, in Wirtschaftsverbänden und Parteien machen können.

Hier ein Video von den letzten Schulstreiks:

http://www.youtube.com/watch?v=7v61hwDDakI

Den nächsten Schulstreik am 17. November vorbereiten! Solange unsere Forderungen nicht erfüllt sind, machen wir weiter.

Im November 08 streikten 120.000 SchülerInnen in Deutschland für besser Bildung. Sie wollten sich nicht mehr mit den katastrophalen Lage im deutschen Schulsystem abfinden. Ihre Kritik betrifft auch besonders euch als BerufsschülerInnen: Es gibt viel zu wenig LehrerInnen und die Klassen sind überfüllt. Die Ausstattung und Technik an Berufsschulen ist oft veraltet und die Gebäude müssen dringend renoviert werden Kantinen, wenn es überhaupt welche gibt, sind schlecht und die Preise für viele nicht bezahlbar Ausbildungsinhalte werden von den Betrieben vorgegeben und gekürzt. Nach so einer „Schmalspurausbildung“ kannst du dein Leben lang bei BMW am Band stehen oder bei Bäcker Schmidt in der Backstube. Insgesamt fehlen hunderttausende Ausbildungsplätze in Deutschland und die Gefahr, nach der Ausbildung nicht übernommen zu werden und auf der Straße zu stehen ist hoch.

bundesweiter bildungsstreik 2009
Politiker aller großen Parteien, Vorstände von Banken und Konzernen, Medien und Wirtschaftsinstitute überschlagen sich mit Vorschlägen, um Wege aus der größten Weltwirtschaftskrise seit Jahrzehnten aufzuzeigen. Dabei sind sie sich im Kern einig: Die Banken und Konzerne erhalten Unterstützung in Milliardenhöhe und die Bevölkerung hat die Lasten der Krise zu tragen. Was für Arbeiter und Angestellte Lohnabbau und Arbeitsplatzverlust heißt, für Hartz IV-Empfänger und Rentner Kürzungen der Leistungen, das heißt für uns SchülerInnen:
Eine Schule zu ertragen, die wir mit immer mehr Stress, Ausgrenzung und Entmündigung verbinden.
Eine Schule zu ertragen, die zunehmend einer Lernfabrik gleicht, in der wir zu funktionieren haben.
Eine Schule zu ertragen, die auf unhinterfragbares Auswendiglernen für Prüfungen statt auf selbstständiges Begreifen und selbstbestimmtes Lernen setzt.
Das alles heißt für uns also: Weiter die Krise schieben in diesem Schulsystem.

Viele von uns wissen sich nicht mehr anders zu helfen: Entweder ordnen sie sich diesem Schulsystem unter, oder kehren ihm einfach den Rücken zu.
Doch 100.000 Schülerinnen und Schüler haben im November 2008 gezeigt: Es gibt einen Weg jenseits von Unterordnung und Resignation. Indem sie gemeinsam in über 40 Städten in einen Schulstreik getreten sind, haben sie ihre Bereitschaft unterstrichen, diesem Schulsystem und den dafür Verantwortlichen den Kampf anzusagen.

Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) meint: Dieser Weg des Widerstandes muss weiter beschritten werden. Deshalb ruft die SDAJ zusammen mit lokalen Schülerbündnissen, Schulstreikkomitees, Schülervertretungen, Gewerkschaftsjugenden, Studierendenverbänden und anderen Jugendorganisationen zu weiteren Bildungsstreiks im Frühjahr 2009 auf. <em>Dafür brauchen wir auch Dich! </em>

Auf den letzten Schulstreik reagierte so manche Schulleitung mit Verweisen und anderen Repressionsmaßnahmen. Sich von diesen Drohgebärden einschüchtern zu lassen und gar nicht erst auf die Straße zu gehen, ist aber der falsche Weg – auch SchülerInnen haben ein Demonstrationsrecht! Darum:

Keine Angst vorm Schulstreik!

Presseerklärung der SDAJ zu den kommenden Schulstreiktagen, November 2008

Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) unterstützt die SchülerInnen bei ihrem Protest für eine demokratische, gleiche und gerechte Schule.

Aus der Bundesrepublik Deutschland soll die Bildungsrepublik werden, wenn man unserer Kanzlerin Glauben schenken will. Auf dem Bildungsgipfel hatte man sich ganze zwei Stunden Zeit genommen um PISA Schock, Bildungsmisere und Facharbeitermangel in den Griff zu kriegen. Zählbares Ergebnis: Fehlanzeige.
Dabei liegt die Konsequenz auf der Hand: Schluss mit dem Dreigliedrigen Schulsystem. Eine Schule für Alle und Schluss mit den Elitären abgekanzelten Schulformen wie den Gymnasien.

Die Auswirkungen der Rotstiftpolitik der Koalition aus SPD und CDU merken die SchülerInnen in allen Teilen Deutschlands. Sie spüren die Auswirkungen der Sparpolitik in der gesamten Bildung jeden Tag: Lernen in überfüllten Klassen; Mangelnde Ausstattung der Fachräume; Kaputte Sportgeräte; Geschlossene Schulhallen; Kaputte Heizungen; Undichte Dächer; Und natürlich müssen immer größere Mengen der Materialien und Bücher aus der eigenen Tasche bezahlt werden; dazu kommen Fahrtkosten und fehlende Schulmittagessen; Wegen Lehrermangel fallen immer wieder Stunden aus und Fächerkombinationen werden gestrichen. Prüfungsvorbereitung wird zum Privatvergnügen und privat bezahlte Nachhilfelehrer haben Hochkonjunktur. Auf der Strecke bleiben diejenigen, deren Eltern keine teuren Nachhilfelehrer bezahlen können, die schon nach der Grundschule aussortiert wurden, weil in Deutschland immer noch der Geldbeutel der Eltern über die Bildungschancen der Kinder entscheidet.

Gerade einmal zwischen fünf und sechs Prozent des Bruttoinlandproduktes gibt die BRD für Bildung aus. Mit diesem Geld wird auch noch systematisch in Elitekonzepte investiert, während für die breite Masse der SchülerInnen nur ein paar Krümel übrig bleiben. Das Geld reicht hinten und vorne nicht, überall werden notdürftig Löcher gestopft. Der ständige Geldmangel führt zu einer steigenden Konkurrenz unter den Schulen, bei der wieder die Schwächsten das Nachsehen haben.

„Uns reicht es!“ Das haben Schülerinnen und Schüler zwischen München, und Kiel, Essen und Berlin beschlossen und für den 12. November einen bundesweiten Schulstreik ausgerufen. An diesem Tag werden in ganz Deutschland Schüler und Schülerinnen im Klassenzimmer, in der Schule und vor der Schule Protest gegen diese Bildungspolitik üben und gemeinsam für ihr Recht auf Bildung demonstrieren. Wir sehen nicht länger zu, wie uns durch Sparpolitik und Elitebildung die Zukunft verbaut wird.
Wir fordern die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, die Absenkung des Klassenteilers auf 20 SchülerInnen und die sofortige Einstellung von mindestens 20.000 Lehrern jährlich. Es ist Zeit sich zu wehren! Am 12. November haben wir die Chance zu zeigen, dass wir die Zustände an unseren Schulen nicht mehr hinnehmen.

Weitere Informationen unter:
www.schulaktion.org
www.sdaj-netz.de