komplex

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, ist unser guter alter Infoladen nicht nur von Trier Süd nach Trier West umgezogen, sondern erscheint jetzt auch in neuem Gewand als Komplex – Infoladen Trier. Und weil so ein Umzug und die dazugehörige neue Einrichtung Geld kosten, hat das komplex ein Crowdfunding-Projekt gestartet. Also: Lowie her! 😉

Die Crowdfounding-Kampagne findet ihr unter: https://www.startnext.com/komplex

Aus gegebenem Anlass (siehe „Trierischer Volksfreund“ und „16vor“) hier ein Artikel aus der aktuellen Ausgabe unserer Kleinzeitung Porta Rossa:

skateboard

Die FDP Trier spricht eine scheinbar einfache Wahrheit aus und nicht wenige Trierer stimmen mit ihr zumindest darin überein: Skaten bzw. Sport im allgemeinen ist unpolitisch. Deshalb hätten sich auch politische Gruppen aus den Angelegenheiten der Skatehalle herauszuhalten. Umso größer war dann auch der Schock als die FDP das Engagement der SDAJ für die Skatehalle öffentlich anprangerte. Auch die, die die Panik der FDP vor angeblichen „linksextremen“ Unterwanderungsversuchen nicht teilen, halten das bloße Auftauchen der SDAJ bei Infoabenden des Projekt X (dem Betreiber der Skatehalle) für etwas, das die gute Sache der Skater in ein schlechtes Licht rückt. Diese Meinung übersieht allerdings, dass natürlich nicht der Vorgang des Skatens an sich politisch ist, die Frage, ob es jetzt und auch noch in Zukunft die Möglichkeit gibt, in Trier in einer Halle skaten zu können, allerdings schon.

Bisher hat die Stadt Trier hierfür die Rahmenbedingungen zur Verfügung gestellt, wobei sie von Anfang an deutlich gemacht hat, dass sie sich dies nicht auf Dauer leisten möchte. Die braucht nämlich Geld und deswegen liegen ihr ganz andere Dinge am Herzen, als die Bedürfnisse ihrer jugendlichen Einwohner. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht der sog. Masterplan BW74 für Trier West und der sieht den Abriss der Halle vor. So wird aus dem unpolitischen Skaten schließlich ein Politikum. Denn wenn auf der einen Seite die Stadt steht, die gerne Trier-West mit ihrem Bebauungsplan „aufwerten“ möchte und auf der anderen Seite Jugendliche, die ihre Skatehalle gerne dauerhaft nutzen würden, muss man sich für eine Seite entscheiden. Als politische Jugendorganisation hat sich die SDAJ Trier auf die Seite der Skater gestellt und sich mit ihnen gegen die drohende Schließung der Skatehalle solidarisiert. Wer sich dagegen stemmt, muss sich nicht selten anhören, in den kommunalen Kassen sei kein Geld. Der Staat verkauft seine Sparpolitik, die sich nicht zuletzt auch gegen soziale und kulturelle Einrichtungen wie die Skatehalle richtet, gern als Sachzwang. Gleichzeitig werden millionenschwere Rettungspakete zugunsten von Banken und Konzernen geschnürt. Das ist nicht einfach nur Ergebnis falscher Politik von böswilligen oder dummen Politikern, sondern hat System: in einer Marktwirtschaft rechnet eben auch der Staat marktwirtschaftlich. Und Skater bringen einfach kein Geld in die Staatskasse – Bewohner von Luxuswohnungen mit entsprechendem Steueraufkommen schon.
Gegen diese Rechenart wehrt sich die SDAJ und wer seine Interessen gegen diese Politik verteidigen will, tut gut daran, sich ihr anzuschließen.

Jugendinteressen verteidigen – extrem gefährlich?

Die FDP sieht rot.

Da hat sie gnädigerweise, im Interesse der „Einbindung Jugendlicher in sportliche Aktivität“, einem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen des Stadtrates zugestimmt, der vorsieht, den Abriss der Skatehalle noch bis zum 15. November zu verschieben. Und was muss sie dann entdecken, als sie in bester Absicht den Blog des Projekt X, des Betreibers der Skatehalle, durchforstet? Da wird ganz anderen gedankt als der FDP, die sich doch so aufopferungsvoll für die Zukunft der Skatehalle eingesetzt hat. Aber nicht nur irgendwelchen anderen: den „Linksextremisten“ von der SDAJ. Unerhört! Und auf Infoabenden in der Skatehalle sollen die auch noch gewesen sein – das riecht nach Indoktrination und Gefährdung der öffentlichen Ordnung.
„Für uns ist es nicht hinnehmbar, dass ein Projekt, das massiv durch die Möglichkeit zur Nutzung eines städtischen Gebäudes unterstützt wurde und das möglicherweise in Zukunft noch eine Ausweitung dieser Unterstützung anstrebt, ein Anlauf- und Rückzugsort für Extremisten ist.“, schreibt die erzürnte FDP da sofort in einem offenen Brief an das Projekt X. Eine öffentliche Distanzierung von der SDAJ und allen extremistischen Gruppierungen und Ideen wird verlangt. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich dazu zu denken, was die FDP tun wird, falls eine solche Distanzierung nicht erfolgen sollte: der Skatehalle ihre „Unterstützung“ entziehen und darauf hinarbeiten, dass es der übrige Stadtrat ebenso hält.

Für alle, die weiter denken können als die Trierer Liberalen, dürfte unsere Unterstützung der Skatehalle und des Projekt X keine so große Überraschung sein. Als Jugendorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, gemeinsam mit anderen Jugendlichen für die eigenen Interessen selbst aktiv zu werden, waren wir von Anfang an solidarisch mit den vom bevorstehenden Rausschmiss betroffenen Skatern. Wir haben dies in Flugblättern deutlich gemacht, die wir während unserer Beteiligung an den Kundgebungen der Skater vorm Rathaus verteilten, und in denen wir den Zusammenhang des Bebauungsplans BW74 und seiner „Aufwertungs“-maßnahmen, dem Interesse der Stadt Trier an den davon erhofften Mehreinnahmen und der drohenden Schließung der Skatehalle auf dem einzigen stadteigenen Gelände im betroffenen Gebiet deutlich machten. Wir stellten uns also ganz hinter die Losung der Skater „Jugend statt Profite“. Wir haben die Entwicklungen um die Skatehalle von Anfang an als das begriffen, was sie auch sind: ein politischer Konflikt verschiedener Interessen. Dem Interesse der Stadt Trier an der reibungslosen Umsetzung ihres Bebauungsplans und den (monetären) Effekten, die dieser zeitigen soll auf der einen, dem Interesse Jugendlicher an selbstbestimmter Freizeitgestaltung auf der anderen Seite. Uns vorzuwerfen, wir hätten mit unserem Engagement für die Skatehalle einen angeblich unpolitischen Sachverhalt überhaupt erst politisiert oder gar für unsere Ziele instrumentalisiert, soll nur von diesem Interessenkonflikt ablenken. Selbiges gilt für den Extremismus-Begriff, den die FDP als Keule einsetzt, um uns zu diffamieren, indem sie uns mit faschistischen Kräften wie der NPD gleichsetzt (und diese dadurch verharmlost), die Solidarität mit den Skatern in „gute“ und „schlechte“ Unterstützer zu spalten und einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den vorgebrachten Argumenten auszuweichen. Doch nicht zuletzt trifft die FDP damit das Projekt X, womit wir wohl auch beim eigentlichen Ziel der Attacke angelangt sind. Der SDAJ werden keine Unterstützer davonlaufen, wenn sie von der FDP des „Linksextremismus“ beschuldigt wird, den Skatern schon eher. Die FDP entlarvt hier ihre angebliche Unterstützung der Skater als bloßes Lippenbekenntnis. Wo Gewinne winken und der Stadtrat entschieden hat, da stören Leute nur, die nicht darauf vertrauen wollen, dass die Stellvertreter schon alles zum Besten regeln werden.

Die Skatehalle in Trier West auf dem ehemaligen Edeka-Gelände soll dem Bauprojekt BW 74 weichen. Seit Monaten formiert sich Protest unter den Skater*innen. Wir erklären uns solidarisch mit den Protesten und fordern den Erhalt der Halle am jetzigen Platz! Der „Masterplan“ ist nicht in unserem Interesse – selbstverwaltete Strukturen wie die Skatehalle hingegen schon!

Was ist dieses Bauprojekt eigentlich?

Das Bauprojekt BW 74 ist Teil des sogenannten „Masterplans Trier West“, der diesen “vernachlässigten” Stadtteil aufwerten soll. Hier geht es nicht darum, neue Sozialwohnbauten oder die längst geforderten Wohnräume für Studierende zu schaffen, sondern um das Gegenteil: ein Investor soll einen neuen Petrisberg mit schicken neuen Wohnungen für gut betuchte Bürger*innen planen, die dann im Gegenzug wieder Geld in die Kassen spülen sollen. Die Erfahrung mit Gentrifizierungsprozessen in anderen Städten hat gezeigt, dass im Zuge solcher großspuriger Sanierungen soziale Wohnräume verschwinden, die Mieten steigen und diejenigen, die sich die neuen Lofts sowie die durch Stadtviertelaufwertung steigenden Mietspiegel nicht leisten können, wegziehen müssen. Es liegt also auf der Hand, für wen hier Politik gemacht wird.

Mit dem ehemaligen Gelände des Edeka enthält der Flächennutzungsplan ein Gebäude, welches vollständig durch neuartige Wohnungen ersetzt werden soll. Das Gelände stellt eine der wenigen stadteigenen Flächen im Bebauungsplan dar. Sowohl die aktuelle Nutzung dieses Gebäudes als Skatehalle, als auch die Bedürfnisse der Benutzer*innen – sowie Jugendlichen im allgemeinen – sind im Masterplan nicht beachtet worden.

Und was wird dafür geopfert?

Die Skatehalle ist ein selbstverwaltetes Projekt aus der Szene für die Szene, seit Jahren Anlaufstelle für diverse Skater*innen aus einem Umfeld von über 200km. Ein vergleichbares Angebot findet sich erst wieder in Köln und Mainz. Dass diese Halle damit auch einen kulturellen Verkehrsknotenpunkt für zahlreiche Menschen darstellt, die z.B. eigens aus Metz anreisen um in Trier zu skaten wird wenig geschätzt.

Die Skatehalle bietet sowohl Kinder & Jugendlichen, als auch Studierenden und jungen Erwachsenen eine Möglichkeit sich zu entfalten und auszudrücken; es steht mehr als nur eine Sporthalle auf dem Spiel! So wird angestrebt, das Gebäude über den Sport hinaus als kulturelles Zentrum für die Stadt Trier nutzen und vielen Gruppen neuen Raum zur Verfügung stellen zu können. Die bestehende Chance Kulturangebote in Trier und Trier-West jedoch dauerhaft zu verankern droht zu verstreichen. So steht die Skatehalle in einer Reihe mit anderen Projekten wie etwa dem Kulturzentrum Karussell, dass das kulturelle Leben Triers bereichert hatte, aber keine nennenswerte Förderung von der Stadt erhielt und mangels geeigneter Standortalternativen dicht machen musste.
Die Möglichkeiten der Skatehalle Trier finden sich in keinem Leistungsangebot anderer Jugend- oder Sporteinrichtungen – was es hier gemacht wird, gibt es woanders nicht.
Jüngst erst wurden die Zuschüsse für das ExzellenHaus gekürzt – wodurch die dort angebotenen Veranstaltungen immer weiter in Bedrängnis geraten. Auch die desaströse Lage des Stadttheaters fügt sich in diese Aufzählung ein. Das Argument der Stadt ist immer dasselbe: für solche Projekte fehle das Geld. Dass, in der Hoffnung zukünftig steigender Einnahmen, wiederum erhebliche Summen in das besagte BW 74 gesteckt werden, lässt die Prioritätensetzung der Stadt offensichtlich werden.

Nun bietet die Stadt zum wiederholten Male einen Verfahrensvorschlag an: aus finanzpolitischen Gründen müsse die Halle abgerissen werden, der Nutzungsvertrag wird auslaufen – aber es werde nun tatsächlich eine Ersatzhalle gesucht. Eine Suche, die vor 2 Jahren bereits erfolglos verlief, weil es keine geeignete Alternative gibt. Selbst der Ortsbeirat Trier-Wests spricht sich gegen den Flächennutzungsplan aus. Mit dem Abriss der Skatehalle entsteht ein Loch in der kulturellen als auch gesellschaftlichen Landschaft von Trier-West.

Der Abriss der Skatehalle hätte nicht nur zur Folge, dass das kulturelle Leben in Trier West einer Grundlage beraubt und die überregionale Skatekultur ins Abseits gestellt werden – es bedeutet auch Politik gegen das erklärte Interesse der Stadtbewohner*innen und Jugendlichen. Deshalb sprechen wir uns für den umgehenden Schutz der Skatehalle und darüber hinaus den Erhalt der damit verbundenen selbstverwalteten Strukturen aus!

Wir fordern den Erhalt der Skatehalle am jetzigen Standort bis ein Finanzierungsmodell und eine alternative Halle gefunden wird – auch über den 31. Dezember 2012 hinaus! Zudem rufen wir zur Solidarität mit den Skater*innen auf und begrüßen die Beteiligung an Aktionen und Veranstaltungen. Sämtliche Informationen und Termine sind auf dem blog der Skatehalle (www.projekt-x-trier.blogspot.com) einzusehen. Mit der nächsten Veranstaltung (28. Februar 2012, 16:45 Uhr, vor dem Trierer Rathaus) wollen sich die Skater*innen und Befürworter*innen der Skatehalle vor dem Trierer Stadtrat Gehör verschaffen und auf ihre Situation hinweisen.

Die SDAJ Trier nahm an der Kundgebung vor und im Rathaus der Stadt Trier teil, um gegen die Schließung der Skatehalle in Trier-West zu demonstrieren. Dazu verteilte sie Flyer mit folgendem Aufdruck:

 

skatehalle sdaj trier

Die Skatehalle muss bleiben!

Wir lassen uns nicht „aufwerten“!

Eine „Aufwertung“ des Stadtteils soll er sein, der Bebauungsplan BW 74, der „Masterplan“ für Trier-West. Ein Bestandteil des Planes: die Skatehalle, die auf dem ehemaligen Edeka-Gelände untergebracht worden ist, soll weg. Dass die Skatehalle eine „wichtige soziale Funktion für die Kinder und Jugendlichen in Trier-West“ erfüllt, erkennt sogar der Bebauungsplan selbst an. Warum muss sie dann überhaupt weg?

Gentrifi-was? Pleite-Stadt sucht reiche Bürger

Bei denen, die sich für den Erhalt der Skatehalle stark machen, aber auch bei anderen Kritikern des Neugestaltungsplans der Stadt für Trier-West, macht das Wort von einer Gentrifizierung des Stadtteils die Runde. Was ist damit gemeint? Als Gentrifizierung bezeichnet man einen Prozess, in dem die angestammte, meist ärmere Bevölkerung eines Stadtteils durch Steigerung der Mieten, kostspielige Sanierungen und generelle Umgestaltung verdrängt und durch wohlhabendere Mieter und Eigentümer ersetzt wird. Das heißt also, die sogenannte „Aufwertung“ geht zu Lasten derer, die sich das Leben in den so aufgehübschten Vierteln nicht mehr leisten können. Es geht den Städten bei solchen Projekten auch gar nicht darum, die Stadtteile für ihre Bewohner lebenswerter zu machen – was ja in Trier-West dringend nötig wäre. Die Städte starten oder fördern solche Prozesse deshalb, weil sie sich vom Zuzug reicherer Neubürger sogenannte „Sickereffekte“ erwarten. Das heißt, die Städte hoffen, dass nach den reichen Leuten auch die entsprechenden Geschäfte und Unternehmen in die Stadt nachziehen, die der Stadt Grund- und Gewerbesteuer in die leeren Kassen spülen. Angekurbelt werden Gentrifizierungsprozesse meistens aber erst mal mit hohem finanziellen Aufwand durch die Stadt selbst. Um die gewünschten Leute anzuziehen, soll jetzt Trier-West umgestaltet werden. Für die Skatehalle ist da kein Platz mehr.

Umzug?

Jetzt soll ein anderer Ort für die Skatehalle gefunden werden. Das klingt nach einem Kompromiss, aber ein passender Ort ist noch längst nicht in Sicht. Und auch, ob die Halle überhaupt noch genutzt werden kann, bis eine Alternative gefunden wurde, ist mehr als unwahrscheinlich. Der Bebauungsplan sagt: „Das stadteigene Grundstück ist jedoch eine der wenigen Flächen, auf die man seitens der Stadt Trier bezüglich einer gestalterisch hochwertigen Neubebauung
direkten Einfluss nehmen kann.“ Soll heißen: Die Stadt braucht genau dieses Gelände für ihre Pläne besonders dringend. So wird trotz signalisierter Verhandlungsbereitschaft garantiert eine Entscheidung gegen das Fortbestehen der Skatehalle fallen. Und ob sich danach noch jemand dafür interessiert, einen neuen Raum für die Skater zu finden? Da wird dann sicher schnell wieder auf die leere Kasse der Stadt verwiesen werden, die aber umgekehrt keine Rolle spielt, wenn Unsummen für die Umgestaltung des Stadtteils ausgegeben werden.

Hiergeblieben!

Auf die Versprechungen der Stadt sollte man also besser nichts geben. Wir wollen uns nicht vertrösten lassen auf irgendeinen Raum, den wir an irgendeinem anderen Ort vielleicht irgendwann mal nutzen dürfen. Wir fordern, den bereits geschaffenen Jugendraum, den wir uns selbst aufgebaut haben, an seinem jetzigen Ort zu erhalten! Wir wissen, dass wir uns dabei auf die Stadtteil-“Aufwerter“ in der Stadtverwaltung nicht verlassen können, sondern selbst für unsere Interessen einstehen müssen! Von Demos bis zu einer Besetzung der Halle– wir kämpfen für den Erhalt unserer Skatehalle!

Keine faulen Kompromisse: Die Skatehalle muss bleiben!
Gegen Gentrifizierung – BW74 stoppen!