Antifaschistische Grüße aus Karl Marx‘ Stadt nach Karl-Marx-Stadt

#chemnitz #trier #sdaj #dkp #NazifreieZonenSchaffen #marx

Zum Gedenken an Hans Eiden hat die SDAJ am heutigen 06.12.2017 folgenden Redebeitrag in der Engelstraße gehalten:

 

 

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde,

Ich bin Mitglied der SDAJ, der sozialistischen deutschen Arbeiterjugend Trier. Wir wollen heute gemeinsam mit Euch dem Kämpfer im antifaschistischen Widerstand gegen das faschistische NS-Regime Hans Eiden gedenken. Hans Eiden war schon vor der Machtübertragung an die Nazis Kommunist und Mitglied der KPD geworden. Der Trierer wurde bereits 1929 Mitglied der Kommunistischen Partei und unterstütze sie in Trier maßgeblich weiter auch durch die schwerste Zeit, die die Kommunistische Bewegung in Deutschland wohl je erleben musste. Er blieb weiter der Überzeugung, dass die Kommunistinnen und Kommunisten die einzige Kraft waren, die die Probleme der Menschen dieser Zeit lösen und den aufziehenden Faschismus verhindern konnten. Ab ’33 wurden Anschläge, Verhaftungen und Deportierungen auf die jüdische Bevölkerung, Homosexuelle, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, aber natürlich auch auf Gegnerinnen und Gegner des Naziregimes wie SozialdemokratInnen und KommunistInnen zum Tagesgeschäft der Faschisten. So wurde auch Hans Eiden 1933 in sogenannte „Schutzhaft“ genommen und 1936 zum „Zuchthaus“ verurteilt.
Nachdem er seine Zeit im Zuchthaus abgesessen hatte, wurde er drei Monate auf freien Fuß gesetzt, 1939 wurde er jedoch in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert, wo er 1944 Lagerältester wurde. Er war maßgeblich an der Selbstbefreiung des KZs beteiligt.

Wir danken auch heute noch den Alliierten Streitkräften für die Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus, allen voran der noch jungen Sowjetunion, die die Hauptlast des zweiten Weltkrieges zu tragen hatte.

Nach der Befreiung vom Faschismus reorganisierte Hans Eiden die Kommunistische Partei, die KPD in Trier und vertrat sie sogar als Abgeordneter im Rheinland-Pfälzischen Landtag.

Im Zuge massiven Drucks auf die Kommunistische Weltbewegung und den Hauptverbündeten der Arbeiterklasse weltweit, der Sowjetunion, wurden auch in der KPD für uns heute widersprüchliche Entscheidungen getroffen, die zwar heute schwer nachzuvollziehen, jedoch nicht losgelöst von der politischen Gesamtlage zu bewerten sind. Der Ausschluss Hans Eidens aus der KPD im Jahre 1948, zwei Jahre vor seinem Tod, zählt zu diesen Entscheidungen, welche sinnbildlich für die in einigen Fragen historisch bedingte Widersprüchlichkeit der damaligen kommunistischen Weltbewegung stehen.

Der ‚Schwur von Buchenwald‘ wurde zur Grundlage antifaschistischer Arbeit in der Bundesrepublik und Weltweit. Heute, 70 Jahre nach dem Ende des Faschismus in Deutschland, wird in Diskussionen innerhalb der Friedensbewegung die Selbstbefreiung Buchenwalds grundsätzlich in Frage gestellt und der bundesdeutsche Staat kriminalisiert aufrechte Antifaschistinnen und Antifaschisten, wie zum Beispiel im Urteil zur staatlichen Überwachung von Silvia Gingold, sogar den Schwur der Buchenwaldhäftlinge, weil er den ‚Nazismus mit seinen Wurzeln vernichten‘ will.
Wie Hans Eiden vor vielen Jahren, hier in dieser Stadt erkannt hat was zu tun ist, um die Lage der Menschen in Trier, Deutschland und der Welt zu verbessern, so haben wir es heute erkannt. Der Kapitalismus ist das Übel der Welt, verantwortlich für Ausbeutung, Hunger, Elend und Krieg. Dieses Übel muss ohne Wenn und Aber überwunden werden. Das sind wir allen, die ihr Leben für den Kampf gegen den Faschismus gelassen haben schuldig.

Die Stadt Trier hat es bis zum heutigen Tage nicht geschafft, ihrem Sohn ein angemessenes Andenken zu schaffen. Eine kleine Plakette erinnert (hier) an seinem Geburtsort an ihn. Nicht eine Straße, nicht ein Platz ist diesem ruhmreichen Antifaschisten gewidmet. Lieber wird in der Stadt ein Platz nach dem Antisemiten Martin Luther, noch immer eine Straße nach Hitlers Steigbügelhalter Hindenburg und eine Brücke nach dem Kriegstreiber Kaiser Wilhelm benannt, statt nach einem aufrechten Gegner des Faschismus. Wir fordern hier und heute von der Stadt Trier und dem Land Rheinland-Pfalz einen ehrenvollen Umgang mit unserem Vorbild im antifaschistischen Kampf, Hans Eiden und die Wiederbelebung des nach der Konterrevolution 1989/’90 von den Grünen eingeführten Hans-Eiden-Preises. Aber Stadt und Land sind lediglich dazu bereit sich mehr oder weniger lobend mit Kritikern des Kapitalismus auseinander zu setzen, wenn am Ende dabei Einnahmen für die Stadtkasse oder den Einzelhandel raus springen, wie das Karl-Marx-Jahr 2018 noch beweisen wird.

Wir stehen als Kommunistinnen und Kommunisten in Trier in der Tradition von Andreas Hoevel, Orli und Willi Torgau, Matthias Thesen und auch Hans Eiden.

Wie sie stehen wir zu den Worten, die der wohl bekannteste Trierer, Karl Marx, gemeinsam mit Friedrich Engels am Ende des „Manifest der Kommunistischen Partei“ festhielt:

„Die Proletarier dieser Welt haben nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

 

Aus dem Aufruftext der Sozialistischen Jugend – die Falken Trier

Anlässlich des Todestages von Hans Eiden findet im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Gegen das Vergessen- …dass Auschwitz nicht noch einmal sei!“ am 6. Dezember 2017 eine Gedenkdemonstration statt. Los geht es um 18:30 Uhr am Trierer Rathaus, von wo aus wir gemeinsam zum Hans Eiden Mahnmal in der Engelstraße gehen werden.

Wer war Hans Eiden?

Hans Eiden war ein kommunistischer Widerstandskämpfer aus Trier. Er engagiert sich in der Kommunistischen Partei Deutschlands und in deren Nebenorganisation Kampfbund gegen den Faschismus. Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 wurde er für drei Jahre in ‚Schutzhaft‘ genommen. Nach drei weiteren Jahren im Zuchthaus wurde Eiden 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Dort musste er bis zur Selbstbefreiung des Lagers im April 1945 bleiben. An dieser war er als Lagerältester maßgeblich beteiligt. Er koordinierte den Widerstand im Lager und organisierte nach seinen Möglichkeiten den Schutz seiner Mitgefangenen. Seine Stimme war es schlussendlich auch, die den etwa 21000 Überlebenden im Lager die Flucht des Großteils der SS-Wachmannschaften verkündete.

Warum gedenken?

Für uns ist Hans Eiden ein Vorbild. Sein unerschöpflicher Widerstand gegen den Nationalsozialismus, dem so viele ihr Leben verdankten, ist mehr als beeindruckend. Seine Vorstellung einer Welt frei von Faschismus und Menschenverachtung hat er niemals aufgegeben. Darum, und auch weil wir diesen Traum teilen, setzen wir uns für ein Gedenken an Hans Eiden in seiner Heimatstadt Trier ein.

Ein solches Gedenken findet in Trier kaum statt. Am 6. Dezember 1995 (also ganze 45 Jahre nach seinem Tod) wurde ein Mahnmal zu Ehren Hans Eidens vor dessen Geburtshaus in der Engelstraße errichtet. Darüber hinaus erinnerten vereinzelt Initiativen an ihn und sein Leben. Dennoch ist sein Name nur den wenigsten Menschen in Trier geläufig. Die Demonstration am 6. Dezember möchten wir daher auch nutzen um darüber nachzudenken wie eine angemessene Erinnerungskultur aussehen kann.

Kommt zur Gedenkdemonstration am 6. Dezember 2017 um 18:30 Uhr am Trierer Rathaus! Gegen das Vergessen- …dass Auschwitz nicht noch einmal sei!

Unterstützer*innen:
– Ak Trier im Nationalsozialismus der AG Frieden Trier
– Für ein buntes Trier, gemeinsam gegen Rechts
– Kosmopolitische Plattform – Trier
– Multikulturelles Zentrum Trier
– SDAJ Trier
– SJD – Die Falken Rheinland-Pfalz

Die SDAJ Trier hat einen Leserbrief an die Wochenzeitung der DKP – „Unsere Zeit“ (UZ) geschrieben, in der sie die Werbung für die Initiative „Stopp Ramstein“ kritisiert:

Querfront?

(erster Titelvorschlag „Palim Palim, ich hätte gerne eine Flasche Querfront“)

Von SDAJ Trier
Ausgabe vom 29. September 2017

Wir hoffen, es liegt lediglich daran, dass die Kritik an der Kampagne nicht überall in die Partei vorgedrungen ist und nicht am Ignorieren derselbigen. Ansonsten ist es uns schlichtweg nicht begreiflich, warum auf der Titelseite der UZ für eine Demonstration geworben wird, bei der ganz offensichtlich  Querfront zum Beispiel um Leute wie den rechten Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen betrieben wird und das, obwohl sich zum Beispiel die DKP Saarland gemeinsam mit anderen wichtigen Organisationen der Friedensbewegung ganz bewusst von „Stop Ramstein“ distanziert und das Zusammenarbeiten mit Protagonisten der rechten „Montagsmahnwachen“ und des „Friedenswinters“ scharf kritisiert hat. (Ganz davon abgesehen, dass zum Beispiel dieses Jahr Dieter Hallervorden auftreten durfte, der nach eigenen Angaben mal ein Attentat auf den Genossen Walter Ulbricht geplant hatte.) Die Rechten sind im Gegensatz zu uns Kommunisten nicht gegen den  US-Atomwaffenstützpunkt, weil sie generell gegen Imperialismus eintreten, sondern weil sie sich nach einem stärkeren deutschen Imperialismus sehnen. Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir wollen und deswegen darf es keine Zusammenarbeit mit diesen Menschen geben.

(Anm. der Red.: Bitte bedenkt, dass wir Kommunisten für den Frieden auch mit Menschen demonstrieren, die nicht unserer Meinung sind, dass zweitens der Vorwurf von „Querfront“ bei Friedensaktionen oft erhoben, aber nicht belegt ist, und dass drittens die Friedensbewegung und die DKP diese Angelegenheit mehrere Jahre diskutiert haben – und richtig entschieden haben, die Aktionen gegen Ramstein zu unterstützen.)

(Quelle: https://www.unsere-zeit.de/de/4939/leserbriefe/6592 )

wir dokumentieren die Rede der SDAJ Trier zur Demonstration gegen die AfD-Kundgebung vor der Porta Nigra am 01.09.2017:

 

Liebe Freunde und Freundinnen, liebe Antifaschisten und Antifaschistinnen,

seit mittlerweile fast vier Jahren hetzt die selbsternannte „Alternative für Deutschland“ nun schon gegen Flüchtlinge, Muslime, Arbeitslose oder Linke. Obwohl sie bisher an keiner einzigen Regierung beteiligt waren, könnte man fast meinen, dass sich die Bilanz ihrer Arbeit durchaus sehen ließe:
Während in ganz Deutschland Flüchtlingsunterkünfte brannten, beschloss die Bundesregierung die größte Asylrechtsverschärfung seit über zwanzig Jahren. Selbst nach Afghanistan, wo es fast täglich zu Anschlägen oder Kriegshandlungen kommt und das regelmäßig als gefährlichstes Land für Frauen weltweit gelistet ist, wurde und wird abgeschoben.

Während in den Jahren 2015 und 2016 zusammen weit mehr als 8000 Menschen bei der Flucht übers Mittelmeer ums Leben kamen, schreckte die Bundesregierung zur Abwehr von Flüchtenden auch vor einem Pakt mit dem türkischen Präsidenten Erdogan nicht zurück, ungeachtet des blutigen Bürgerkrieges, den er gegen die kurdische Bevölkerung führt oder der Verfolgung jeglicher Oppositioneller und Andersdenkender in der Türkei. Der aktuelle Plan der größten EU-Länder besteht darin, Flüchtende bereits in Auffanglagern in Libyen festzusetzen, einem Land, in dem keine Regierung, sondern rivalisierende Milizen die Macht haben und dem schwerste Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Flüchtlingen vorgeworfen werden.
Sind das humane Antworten auf die Forderungen der AfD nach sicheren Grenzen und einer „Festung Europa“ oder ist das deren Umsetzung?
Statt der rechten Hetze offensiv zu begegnen, hat die herrschende Politik den „Linksextremismus“ als großes Feindbild ausgemacht. Während in Thüringen Tausende Nazis auf einem Rechtsrock-Konzert unter den Augen der Polizei ihren Hass verbreiten und mit ausgestreckten Armen „Sieg Heil“ brüllen durften, werden couragierte Antifaschistinnen und Antifaschisten, die sich an Demonstrationen oder Sitzblockaden beteiligen, fortwährend kriminalisiert. Erst vorgestern wurden in Düsseldorf zwei linke Aktivisten zu Geldstrafen in Höhe von insgesamt mehr als 8000€ verurteilt, weil sie zu einer Sitzblockade gegen die rassistische Partei der Republikaner aufgerufen haben sollen. Eine nicht minder rassistische Partei, die NPD, war dem BVerfG für ein Verbot zu unbedeutend. Aber um eine linke Internetplattform zu verbieten wurde schon mal ganz tief in die juristische Trickkiste gegriffen und die Betreiber kurzerhand zu einem Verein erklärt.

Wir als SDAJ zeigen uns solidarisch mit allen, die wegen ihres Eintretens gegen Rechts staatlicher Repression unterworfen werden!

Von Anfang an haben fortschrittliche Kräfte betont, dass soziale Ungerechtigkeit den Nährboden für die Demagogie der Rechten bildet. Wenn auch nach jahrzehntelanger Arbeit die Rente nicht zu einem würdigen Leben reicht; wenn sich immer mehr Menschen angesichts explodierender Mieten das Wohnen in vielen Städten nicht mehr leisten können; wenn Millionen Lohnabhängige zwei Jobs brauchen, um über die Runden zu kommen und wenn trotz rapide fortschreitender Digitalisierung die Arbeitsbelastung nicht sinkt, sondern im Gegenteil sogar noch zunimmt – dann läuft etwas falsch. Es tobt Klassenkampf und die Kapitalisten sind dabei zu gewinnen, wie es einst Warren Buffett formulierte. Obwohl es an Reichtum nicht mangelt, fehlt Geld an allen Ecken und Enden, nicht nur bei Renten und Löhnen, auch in Krankenhäusern, Schulen oder bei der Versorgung von Flüchtlingen. Diese Situation erzeugt zwangsläufig soziale Spannungen. Und es sind diese sozialen Spannungen, welche Demagogen wie die AfD ausnutzen, um Menschen nach Maßgabe ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihrer sexuellen Orientierung gegeneinander aufzuwiegeln. Die Antwort hierauf kann nur sein: Gemeinsamer Kampf um höhere Löhne, für die Anhebung des Rentenniveaus und die bessere Ausstattung von Schulen, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen – Solidarität statt Spaltung!

„Fortschritt ist das Werk der Unzufriedenen“ schrieb einst völlig zutreffend der franz. Schriftsteller Jean-Paul Sartre. Und genau weil das so ist, haben die Profiteure eines alten, überkommenen Systems seit jeher versucht, die Unzufriedenen von ihrem Werk abzuhalten. Sie fürchten den Fortschritt, weil er den Verlust ihrer Privilegien und ihrer gesellschaftlichen Macht bedeuten würde. Die Profiteure des heutigen Systems, das sind die Besitzer der großen Banken und Konzerne; das sind jene, die sich den Großteil des produzierten Reichtums aneignen, obwohl sie selber nur eine verschwindend kleine Minderheit der Gesellschaft darstellen. Fortschritt würde bedeuten, die großen Konzerne in öffentliche Hand zu überführen und unter demokratische Kontrolle zu stellen; Fortschritt würde bedeuten der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ein Ende zu bereiten und den gesellschaftlichen Reichtum im Sinne Aller einzusetzen. Fortschritt würde Sozialismus bedeuten!
Diesen Fortschritt versuchen die Herrschenden um jeden Preis zu verhindern. Daher ist es in ihrem Interesse, wenn die AfD die Unzufriedenheit der arbeitenden Bevölkerung kanalisiert, indem sie Minderheiten als vermeintlich Schuldige an den sozialen Missständen denunziert. Plumper Rassismus, Nationalismus und Sexismus dienen hierbei der AfD dazu, zu verschleiern, dass sie in Wirklichkeit die Privilegien des oberen 1%-s der Gesellschaft nicht im Geringsten antasten will. (Spitzenkandidatin Weidel bspw. ist ehem. Goldman Sachs – Bankerin und lehnt den Mindestlohn genauso ab wie Erbschafts- oder Vermögenssteuer.) Es ist die Aufgabe aller fortschrittlich denkenden Kräfte die AfD als das zu entlarven, was sind – die reaktionären Handlanger der herrschenden Klasse im Kampf gegen gesellschaftlichen Fortschritt!

Am heutigen Tage begehen wir auch den weltweiten Antikriegstag. Angesichts der zunehmenden Militarisierung Deutschlands und dem Anspruch, wieder mehr „Verantwortung in der Welt“ zu übernehmen, hat der Gedanke dieses Tages nichts an Aktualität verloren. Weltweit werden imperialistischen Kriege geführt, um die Wirtschaftsinteressen der großen Industrieländer durchzusetzen. Die Bundeswehr ist an unzähligen Orten in Afrika, Asien und Europa an Kriegseinsätzen beteiligt und spielt regelmäßig eine führende Rolle bei den riesigen Militärmanövern an der russischen Grenze. Bis 2030 will das Verteidigungsministerium 130 Milliarden Euro in militärische Ausrüstung investieren, gleichzeitig werden in groß aufgezogenen Werbekampagnen Jugendliche mit Sprüchen wie „Was sind schon 1000 Freunde im Netz gegen einen Kameraden?“ als Kanonenfutter rekrutiert. Wenn nun die AfD fordert, die Wehrpflicht wiedereinzuführen und die deutschen Streitkräfte so zu reformieren, dass diese auch für Einsätze „höchster Intensität“ bereit sind, dann ist das beängstigend, aber es ist letztlich nur die konsequente Fortsetzung der seit Jahren vorangetriebenen Militarisierung Deutschlands. Deswegen kann auch hier die Antwort nur darin bestehen, dem deutschen Imperialismus offensiv zu begegnen:
Stopp aller Auslandseinsätze und Militärmanöver
Austritt aus dem imperialistischen Kriegsbündnis NATO
Verbot von Bundeswehr-Werbung an Schulen, Universitäten und öffentlichen Plätzen
Verbot aller Rüstungsexporte
Abrüstung statt Militarisierung!

Doch am 1. September wird nicht nur dem Beginn des 2. Weltkriegs gedacht. Ebenso führte Adolf Hitler durch den Euthanasie-Erlass die Ermordung 100.000er behinderter und psychisch kranker Menschen herbei. Des Weiteren stellte er das Hören ausländischer Radiosender unter Strafe, was u.a. als „Vorbereitung zum Hochverrat“ geahndet wurde. Zwei Jahre später, ebenfalls am 1. September, trat die Polizeiverordnung in Kraft, welche die jüdische Bevölkerung zwang sich mittels des gelben Davidsterns zu kennzeichnen. Ausgerechnet der AfD, einer Partei in der Mitglieder höchste Parteiämter bekleiden, welche Auseinandersetzungen mit dem sogenannten afroarabischen Lumpenproletariat voraussagen, das Gedenken an den Holocaust infrage stellen, das Aussterben des deutschen Volkes beschwören und sogar die Entsorgung einzelner Menschen als legitimes Mittel ansehen…Ausgerechnet einer solchen protofaschistischen Partei wird hier an diesem Tage im Herzen Triers eine Plattform geboten.
Wir sagen: Gegen das Vergessen! Nie wieder Faschismus!

Viele Menschen sehen in einer starken EU die richtige Antwort auf den zunehmenden Nationalismus und Rassismus in der Gesellschaft. Wir von der SDAJ tun das nicht! Die Europäische Union ist ein Zusammenschluss kapitalistischer Staaten zur Wahrung ihrer Handels- und Wirtschaftsinteressen. Ihr Grundprinzip ist nicht Solidarität, sondern Konkurrenz. Schwächere Volkswirtschaften werden erbarmungslos niederkonkurriert und ihnen anschließend ein Verarmungsprogramm aufgezwungen, um angeblich ihre Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Vermeintliche europäischen Werte wie „Weltoffenheit“ oder „Freiheit“ wirken wie blanker Hohn, wenn man sich die unmenschliche Abschottungspolitik an den EU- Außengrenzen ansieht. Keine noch so schön klingende Phrase vermag etwas daran zu ändern, dass die EU ein Instrument zur Konservierung kapitalistischer Eigentumsverhältnisse ist und dass der Kapitalismus nie ein weltoffenes, solidarisches oder menschliches System sein wird.

Es kann keinen bleibenden Erfolg haben, nur die skrupellosesten Verfechter der herrschenden Ordnung zu bekämpfen, ohne auch diese Ordnung selbst in Frage zu stellen. Ein Gesellschaftssystem, das alles und jeden der Logik des Profits unterwirft, das auf Konkurrenz und Ausbeutung beruht, wird immer wieder aufs neue die gesellschaftliche Grundlage reproduzieren, auf der die Hetze der AfD aufbaut: das Interesse der herrschenden Klasse an der Spaltung der arbeitenden Bevölkerung und der Wunsch der Unzufriedenen nach Veränderung in einem vermeintlich alternativlosen System.
Daher möchten wir euch dazu aufrufen:
Lasst euch nicht spalten, sondern kämpft gemeinsam für eure Interessen. Organisiert euch in der Gewerkschaft und setzt euch dort für fortschrittliche Positionen ein: Gegen Leiharbeit, für bessere Löhne und gegen Sozialpartnerschaft!

Organisiert euch in Friedensinitiativen und Mieterbündnissen, in der Schule, der Uni oder dem Betrieb: kämpft überall dort, wo ihr lebt und arbeitet, gegen die Logik des Profites, der Konkurrenz und der Entmenschlichung!
Rassismus, Nationalismus und Sexismus bekämpfen, heißt gegen den Kapitalismus, für gesellschaftlichen Fortschritt und für den Sozialismus zu kämpfen!

 

 

hier der Aufruf des Bündnisses „Buntes Trier gemeinsam gegen Rechts“, der von der SDAJ Trier unterstützt wird. Bitte kommt alle zur Kundgebung gegen die AfD!!!

TRIER: Kein Raum für Rassismus

Kundgebung am 01.09. 2017 ab 18.00 Uhr, Simeonstraße (Nähe Porta)

Die AfD plant am 01.09.2017 eine Wahlkampfveranstaltung an der Porta. Das wollen wir nicht unwidersprochen hinnehmen und rufen auf zur Kundgebung

„Trier: Kein Raum für Rassismus“

Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) versucht, die politische Rechte in der Bundesrepublik neu zu erfinden. Ihrem inzwischen sehr starken rechtsextremen Flügel gelingt es Parolen im Stile der NPD salonfähig erscheinen zu lassen. Während sich viele Menschen in Deutschland für Frieden und Toleranz einsetzen, reden einzelne AfD-Vertreter*innen von Schießbefehlen an den EU-Außengrenzen, fürchten das Aussterben des „deutschen Volkes“, stellen das Gedenken an den Holocaust in Frage, versuchen die Errungenschaften der Frauen*bewegung ungeschehen zu machen, wollen die Rechte von Arbeitnehmer*innen und Erwerbslosen einschränken und mobilisieren gegen Geflüchtete, Homosexuelle, Regenbogenfamilien und sexuelle Bildung, Alleinerziehende und alle anderen, die nicht in ihr eindimensionales Weltbild passen oder die sie als Bedrohung empfinden.

 

Mit ihrer Strategie des kalkulierten Tabubruchs rückt sich die AfD nicht nur geschickt ins mediale Rampenlicht, sondern verstärkt insgesamt ein gesellschaftliches Klima der Ausgrenzung.

Wir sehen die vielen dringlichen Missstände in der Bundesrepublik und weltweit. Die neuen Zäune und Mauern in den Köpfen und an den Grenzen, das Gefühl der Unsicherheit der Menschen auch gefördert durch prekäre Beschäftigungen, welche Armut verursacht und nicht zuletzt die weltweiten Kriege, die dazu führen, dass Menschen ihre Heimat verlassen. Aber wir wissen: Die alten und die neuen Rechten sind Teil des Problems und nicht der Lösung. Wir werden uns an der Verbreitung ihrer Parolen nicht beteiligen. Wir wollen uns den Hetzern dieser Partei entgegenstellen. Lasst uns zusammen deutlich machen: Diese Partei ist sicherlich keine Alternative für dieses Land! Wir wollen ihren Einzug in den Bundestag verhindern!

Statt Sündenböcke zu suchen und die Schwächsten in der Gesellschaft gegeneinander auszuspielen, setzen wir auf Solidarität.
Wir wollen eine Welt, in der Menschen völlig unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung und Religion friedlich zusammenleben können.
Wir stehen für Demokratie, Respekt und Vielfalt!

Kommt deshalb am 01.09.2017 um 17.00 Uhr zu unserer
Kundgebung in die Simeonstraße (Nähe Porta).

Lasst uns gemeinsam unüberhörbar Position beziehen für eine bunte, weltoffene Gesellschaft, Solidarität und Gleichberechtigung.

Hier gehts zur Facebookveranstaltung der Demo

Gruppen, die den Aufruf unterstützen möchten, schreiben bitte eine Mail an info@buntes-trier.org.

 

Aktuell (31.08.2017) Unterstützen diese Organisationen unseren Aufruf:

AG Frieden Trier
Aidshilfe Trier e.V.
Antiatomnetz Trier
Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) Trier
Autonomes Queerfeministisches Frauenreferat des AStA der Universität Trier
Bündnis 90/Die Grünen Stadtverband Trier
Bund der Deutschen Katholischen Jugend im Bistum Trier
Deutsche Friedensgesellschaft Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Trier
Deutscher Gewerkschaftsbund Region Trier
Die Linke Stadtverband Trier
DKP Trier
FAOSE (Free Association of Syrian Expats)
Frauenhaus Trier
Junge europäische Förderalisten (JEF)
Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Bezirk Trier-Eifel/Mittelrhein
Katholische Studierende Jugend im Bistum Trier
Kosmopolitische Plattform – Trier
Linksjugend [’solid] Region Trier
Lokale Agenda 21
Multikulturelles Zentrum Trier e.V.
pro familia Trier e.V.
SCHMIT-Z e.V., schwul-lesbisches Zentrum Trier
SDAJ Trier
SJ – Die Falken Stadtverband Trier
SPD Queer Trier/Trier Saarburg
SPD Trier-Mitte/Gartenfeld
SPD Trier
Trierer Jusos
Vokü/Volxküche Trier

 

 

Wir zeigen den Film „Zeit für Zeugen“ am Abend des 9.11., dem Jahrestag der „Reichskristallnacht“. Der Film wird von Matthias Meyers, Autor des Films, vorgestellt und im Anschluss diskutiert.

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DER FILM:

Der Film erinnert an das Lebenswerk von Ettie und Peter Gingold, die beide als junge Erwachsene während der Okkupation des faschistischen Deutschland in der französischen Widerstandsbewegung Résistance kämpften. Sie leisteten entschiedenen Widerstand unter Einsatz ihres Lebens, waren 1944 an der Befreiung von Paris beteiligt und blieben ihr Leben lang als Kommunisten und Antifaschisten in der BRD aktiv im Einsatz für eine freie und demokratische Gesellschaft. Insbesondere engagierten sie sich gegen jede Tendenz von neuem Faschismus, Antisemitismus und Rassismus. Als Zeitzeugen traten sie vor Schulklassen, Jugendgruppen und auf Demonstrationen und Kundgebungen auf.
(weitere Informationen unter: http://www.gingold-initiative.de/der-gingold-film/ )
Im Anschluss an den Film wird der Abend ruhig ausklingen gelassen oder ein weiterer Film gezeigt.

Los geht’s ab 19Uhr im Komplex – Infoladen Trier in der Hornstraße 7, Trier-West

Vor zehn Jahren öffnete die Gedenkstätte in Hinzert im Hochwald. An dem Ort hatten die Nazis Widerstandskämpfer eingesperrt sowie Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zu Tode gequält.

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

gedenkstätte hinzert

 

Ein Video dazu ist unter http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/zehn-jahre-gedenkstaette-hinzert-erinnern-an-leid-der-nazi-opfer/-/id=1682/did=17256418/nid=1682/fnnqob/index.html zu finden

Und täglich grüßt das Murmeltier – Safet Babic wieder vor Gericht. Und nun auch das noch: „Der NPD-Funktionär wird nach eigenen Angaben von der Rechtsanwältin Nicole Schneiders vertreten, die im Münchner NSU-Prozess einen Neonazi verteidigt.“

Der gesamte Artikel aus dem Trierischen Volksfreund ist hier nachzulesen: http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/rheinlandpfalz/rheinlandpfalz/Heute-im-Trierischen-Volksfreund-Der-Trierer-NPD-Vize-und-seine-bekannte-Anwaeltin-Noch-kein-Urteil-im-Prozess-gegen-Babic;art806,4453316

Eine der dunkelsten Persönlichkeiten von Trier „der Schlächter von Lyon“ Klaus Barbie ist Teil der Reihe „Gestapo in Trier“, die am kommenden Sonntag in Stadtmuseum am Simeonsstiftplatz gezeigt wird.

klaus barbie

Artikel der Homepage des Deutschlandfunk: Von Henry Bernhard

Nachkriegsgeschichte: Der Schlächter von Lyon

„Ich bin gekommen, um zu töten.“ Das soll Klaus Barbie gesagt haben, als er 1942 das Kommando als Gestapo-Chef in Lyon übernahm. Peter Hammerschmidt arbeitet in seiner Doktorarbeit „Deckname Adler. Klaus Barbie und die westlichen Geheimdienste“ Barbies Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Erst 1987 wurde er in Frankreich verurteilt, Zeugen schilderten seine Gräueltaten.

Nein, die 44 Kinder aus dem jüdischen Waisenhaus von Izieu seien keine Widerständler gewesen. Sie waren unschuldig. Sie wurden am Gründonnerstag 1944 von einem Sonderkommando der Gestapo Lyon deportiert und wenig später in Auschwitz vergast. 43 Jahre musste die Zeugin darauf warten, bis sie ihre Verzweiflung dem Manne ins Gesicht schleudern konnte, der für die Deportation verantwortlich zeichnete: Klaus Barbie. Der sogenannte „Schlächter von Lyon“ stand 1987 in Frankreich vor Gericht. Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden ihm vorgeworfen. Barbie hatte als Gestapo-Chef von Lyon mit fanatischem Eifer gewütet, bestialisch gefoltert, gemordet. Die Résistance war sein Hauptfeind, aber er war auch ein Sadist. Peter Hammerschmidt verschont den Leser nicht mit Einzelheiten.

„Das Quetschen von Genitalien, die Injektion von säurehaltigen und ätzenden Flüssigkeiten in den Harnleiter und die Ohren, das Ausreißen von Finger- und Fußnägeln, Stromstöße, das Verbrennen mit Zigaretten, Nadelstiche, Schläge mit Eisenstangen sowie Messerstiche in alle Körperbereiche waren fester Bestandteil der deutschen ‚Verhörtaktik‘.“

Hammerschmidt beschreibt knapp und doch plastisch Barbies Lebensweg, dessen unglückliche Jugend und dessen Ersatzheimat, den Nationalsozialismus. Der Autor schildert Barbies Taten als Gestapo-Chef und deren Ende. Im Sommer 1944 wurde Barbie verletzt – und fortan kümmerte er sich lange vergeblich darum, wieder diensttauglich geschrieben zu werden.

Barbies zweite Karriere nach dem Krieg

Das Ende des Dritten Reiches war für Barbie das Ende aller persönlichen Pläne und Vorstellungen, wie Hammerschmidt deutlich macht. Fortan war der ehemalige Gestapo-Chef zunächst in Deutschland auf der Flucht. Gemeinsam mit anderen SS-Kameraden baute er ein Unterstützungsnetzwerk für Familien von SS-Männern auf. Bald politisierte sich das Netzwerk und bot sich den Besatzungsmächten als kräftiges Bollwerk gegen den Kommunismus an. So kam es, dass Barbie und seine Verbündeten dem amerikanischen Geheimdienst CIC Informationen gerade aus der französischen Zone und aus Polen lieferten. Von dort also, wo sie noch wenige Monate zuvor gewütet hatten.

„Barbies antikommunistische Haltung, seine von Seiten des CIC attestierte nachrichtendienstliche Profession waren der Schlüssel zu Barbies Rekrutierung durch das Counter Intelligence Corps; eine Rekrutierung, mit der Barbie zugleich zum Symbol für die sich in dieser Zeit verfestigende Teilung Europas avancierte: Der Eiserne Vorhang war über Europa niedergegangen, der Kalte Krieg hatte begonnen, und mit ihm der heiße Krieg der Nachrichtendienste.“

Amerikaner wussten ab 1948 von Barbies Vergangenheit

Hammerschmidt zeichnet die Ereignisse nach: Barbie schien kompetent, willfährig und skrupellos. Also warben ihn die Amerikaner an – noch, als andere Einheiten ihn parallel als NS-Funktionsträger verfolgten. Ab dem Sommer 1948 führte Barbie in Augsburg einen großen Agentenring für die Amerikaner, das „Büro Petersen“. Die Spione beobachteten die KPD, die SPD und den französischen Geheimdienst. Spätestens zu diesem Zeitpunkt, also 1948, erfuhr Barbies US-Führungsoffizier davon, dass der ehemalige Gestapo-Mann in Frankreich wegen Mordes gesucht wurde. Dass die Amerikaner ihn nicht auslieferten, erklärt der Autor einerseits mit Ignoranz. Andererseits hätten sie befürchtet, mit einem Kriegsverbrecher in den eigenen Reihen schlecht dazustehen.

„Sollte es jemals einen umfassenden und gut organisierten SS-Untergrund gegeben haben, nachdem das CIC unmittelbar nach 1945 in der amerikanischen Zone fahndete, dann wurde er erst durch das ‚Büro Petersen‘ konsolidiert.“

Hammerschmidt hält es für sehr wahrscheinlich, dass Barbie zudem für den CIA und die Organisation Gehlen, den Vorläufer des BND, gearbeitet hat. 1949 wurden Barbies Untaten in französischen Zeitungen angeprangert, Frankreich verlangte seine Auslieferung. Die Amerikaner gaben zunächst an, nichts von Barbie zu wissen. Später beschlossen sie, nach Recherchen des Autors, Barbie mit Hilfe des Vatikans nach Bolivien zu bringen. So wie viele Männer von SS, SD und Gestapo, die als Agenten für die Amerikaner gearbeitet hatten.

Berater des Bolvianischen Regimes in Sachen Folter und BND-Quelle

„Als Dank für die neue Chance sollte sich der ehemalige Gestapo-Chef mit militärischer Treue gegenüber den Befehlshabern seines neuen Heimatlandes revanchieren, sein in Frankreich erworbenes NS-Repressionswissen auch den Diktatoren Boliviens zur Verfügung stellen und damit eine Kontinuitätslinie zwischen Heydrichs Terrorapparat und bolivianischen Repressionsorganen herstellen.“

So beriet er Armee und Geheimdienst in Verhör- und Foltertechniken. Zwei Mal, 1952 und ’54, wurde er indessen in Frankreich zum Tode verurteilt. Dessen ungeachtet warb der Bundesnachrichtendienst Klaus Barbie in den 60ern für 500 DM monatlich an, um Informationen über mögliche kommunistische Aktivitäten aus Bolivien zu erhalten. Barbie verschwieg seine wahre Identität, der BND forschte nicht nach.

„Geradezu ein Gütesiegel für die Verlässlichkeit des neuen Agenten waren offenbar die im Rahmen ’seiner Tätigkeit im letzten Krieg‘ gewonnenen Erfahrungen, die ihm nun ‚für seine nachrichtendienstliche Mitarbeit zum Vorteil gereichten‘.“

Abschiebung nach Frankreich und Verurteilung

Als der BND wenig später Barbies wahre Identität aufdeckte, schaltete er diesen als Quelle ab – nicht ohne eine Abfindung von 1.000 D-Mark. Die deutsche Staatsanwaltschaft erfuhr vom BND nichts. Barbie wurde weiter geschützt. Hammerschmidt schildert die weiteren Jahre in Bolivien, wo Barbie als Sicherheitsbeamter arbeitete, als graue Eminenz des bolivianischen Geheimdienstes, als Ideengeber für innenpolitische Repression. Als 1982 eine gewählte Regierung die Macht in dem Land übernahm, brauchte man Klaus Barbie nicht mehr und wollte ihn ausliefern. Deutschland, das heißt die Kohl-Regierung, wollte ihn nicht, und so schob man Barbie nach Frankreich ab. Dort wurde ihm 1987 der Prozess gemacht. 40 Jahre, nachdem der amerikanische Geheimdienst von seiner Identität erfahren hatte. Fast 30 Jahre, nachdem der deutsche BND ihn beschäftigt hatte.

Dem erst 28 Jahre alten Autor Peter Hammerschmidt ist zu verdanken, dass dies nun so klar auf dem Tisch liegt. Er grenzt Vermutetes sehr streng von Bewiesenem ab, prüft seine Quellen und schlussfolgert klug. Er hat eine Vielzahl von öffentlichen, privaten und Geheimdienstquellen verwandt, deren Beschaffung oftmals schwierig war oder stark behindert wurde und nur durch politischen Druck ermöglicht wurde – etwa beim Bundesnachrichtendienst. Der Umgang der Nachkriegs-Bundesrepublik mit den NS-Tätern ist eine Geschichte der Schande, eine Geschichte des Vertuschens, des Geheimhaltens, der Nicht-Justiz. Dank Peter Hammerschmidt ist ein weiteres Kapitel davon öffentlich geworden.

Peter Hammerschmidt: „Deckname Adler. Klaus Barbie und die westlichen Geheimdienste“
S. Fischer Geschichte, 560 Seiten, 24,99 Euro
ISBN: 978-3-10-029610-8

(Bildrechte: Deutschlandfunk)